VSD Ventrikelseptumdefekt

Loch in der Herzkammer
VSD bei einer Maine Coon 9 Monate alt mit Stauungserscheinungen des linken Vorhofes.
Farb- und Spektraldoppler eines VSD mit einem Li-Re Shunt und 5,4 m/sec Fluss.

Ein VSD ist ein Loch in der Scheidewand der Hauptkammern. Er entsteht als Schlussdefekt in der Scheidewand während der fetalen Entwicklung. Somit liegt nach der Geburt ein Loch vor, durch welches das Blut von einer in die andere Kammer fließen kann. Die meisten Defekte sind in der Pars membranacea unterhalb der Aortenklappe und dem septalem Trikuspidalsegel (rechte AV Klappe) gelegen.

Vorkommen:
Der VSD ist die bei uns am häufigsten diagnostizierte angeborene Herzerkrankung !
Eine genetische Ursache wird vereinzelt vermutet; ein Erbgang ist allerdings nicht bekannt. Der VSD kann bei allen Katzenrassen vorkommen.

Etwas fachliches zur Pathophysiologie für Interessierte:

Der typische VSD als Monodefekt beim Welpen, weist einen links-rechts Shunt (VSD L-R) auf. In der Systole fließt ein Teil des Blutes aus der linken Kammer in die rechte ab, bevor es durch die Aorta die Kammer verlässt. Dieses zusätzliche Blut in der rechten Kammer führt zu einer Volumenüberladung auf der rechten Seite. Diese überträgt sich durch die Lungengefäße auf das linke Atrium und den linken Ventrikel.
Das von links nach rechts fließende Blut überträgt aber auch den hohen Druck des linken Ventrikels auf den rechten. Eine Hypertrophie der rechten Kammerwand ist die Folge. Die Hypertrophie und das vermehrte Volumen rechts führen zu einer relativen Pulmonalstenose mit Erhöhung der pulmonalen Flussgeschwindigkeit.

Diese Mechanismen erzeugen einen erhöhten Druck im Lungengefäßsystem, dadurch kann eine pulmonale Hypertension (PHT) entstehen.
Liegt der VSD hoch in der Pars membranacea, kann der Aufhängeapparat der Aortenklappen geschwächt werden. Das ist der Grund für eine Aorteninsuffizienz (Undichtigkeit der Aorta) in Diastole (Video 3).

Symptome und Diagnostik:
Der Welpe mit einem VSD hat meistens keine klinischen Beschwerden!
Diese treten erst später, mit zunehmender Körpermasse auf.
Die klinischen Symptome des VSD L-R Patienten sind meist schnelle Ermüdung, Dyspnoe und Leistungsintoleranz.

Der VSD ist durch Abhören relativ eindeutig zu diagnostizieren. Es besteht ein systolisches Herzgeräusch mit einem Punctum maximum (lauteste Stelle) auf der rechten Brustkorbseite. Gerade bei Katzen ist ein VSD durch Abhören relativ sicher zu vermuten.
Liegt eine Kombination mit einer funktionellen Pulmonalstenose vor kann zudem ein zusätzliches systolisches Ejektionsgeräusch (Auswurfgeräusch) links bestehen. Patienten mit einem VSD nahe der Aorta, zeigen regelmäßig ein diastolisches Geräusch an linker Herzbasis.
Im Röntgen zeigt sich erst bei größeren Defekten und Stauungen eine linksseitige Kardiomegalie. Viele Tiere mit einem VSD haben ein normales EKG.

Video Maine Coon 9 Monate alt: Farbdoppler mit sichtbarem Shuntfluss von links- nach rechts. Zudem Mitralisinsuffizienz vorhanden.

Eine sichere Diagnosestellung ist mit einer Herzultraschalluntersuchung möglich. Hier hilft der Farb- und Spektraldoppler den Defekt zu orten, um den Schweregrad und die Flussrichtung zu bestimmen.

Video Zeigt einen VSD in Farb- und Spektraldoppler bei einer vier Monate alten Siamkatze

Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle der Patienten, um festzustellen, wann eine Umkehr des Blutflussrichtung stattfindet. Li>Re Umkehr in Re>Li (Eisenmenger Reaktion).

Therapie:
Kleine Defekte bedürfen normalerweise keiner Behandlung. Bei mittleren und großen Defekten welche zusätzlich klinische Symptome zeigen, ist die Gabe von ACE-Hemmern, Diuretika und ggf. von ß-Blockern angezeigt. Die genaue Auswahl und Kombination dieser Medikamente sind nur nach einer exakten Diagnostik möglich.
Ein chirurgischer Verschluss des Defektes bei der Katze wird in der Tiermedizin noch nicht routinemäßig durchgeführt.