Perikarderkrankungen und Tumore des Herzens

Golden Retriever mit Perikarderguss

Erkrankungen des Perikards (Herzbeutel) stehen unter dem Leitbefund des Perikardergusses (Flüssigkeit im Herzbeutel). Über die Hälfte unserer Patienten haben einen Tumor als Ursache des Ergusses in diesem Bereich. Daher sind die meisten Ergüsse blutiger Natur.

Symptome und Vorkommen:

Die Patienten sind überwiegend im letzten Altersdrittel. Sie zeigen Schwäche und Apathie, sind von den Schleimhäuten blass, oder werden nach Synkopen (Ohnmachtsanfällen) vorgestellt. Viele haben bereits eine Aszites (Bauchwasseransammlung) mit zunehmend dickem Bauch. Eine Rassehäufigkeit besteht für den Golden Retriever, Boxer, und DSH. Wenn junge Hunde diese Erkrankung zeigen, liegt häufig eine Gerinnungsstörung, in Folge einer Cumarinvergiftung (Rattengift) vor.

Diagnostik:

Im Röntgen ist ein großes kürbisartig rundes Herz zu sehen.

Das EKG zeigt sehr typische Veränderungen, die für eine Diagnose fast ausreichen:

Elektrischer Alternans (unterschiedliche hohe Ausschläge) und eine Niedervoltage (low voltage). Ursächlich dafür ist die Abdämpfung der elektrischen Signale durch den Erguss und das im Herzbeutel schwingende Herz.

Video Herz im Herzbeutelerguss. Es schwingt hin und her und enthält kaum noch Blut (Pseudohypertrophie)

Um die Ursache des Ergusses zu bestimmen, ist ein Herzultraschall die Methode der Wahl. Die häufigen Tumore treten an ganz bestimmten Stellen auf. Diese müssen mit hochauflösendem Ultraschall abgesucht werden.

Video Der rechte Vorhof (oben im Bild) fällt förmlich ein.

Die meisten Ergüsse sind chronisch. Die Symptome wie Synkope treten aber plötzlich auf, wenn der Druck im Herzbeutel den venösen Druck übersteigt. Dann kommt es zu einem mangelhaften venösen Zufluss zum Herzen (Tamponade des rechten Vorhofes, Video 2), das Herz bekommt kein Blut und die Auswurfleistung sinkt dramatisch.

Video Tumor in der rechten Herzwand, als dezente Veränderung

Therapie:

Wenn ein Perikarderguss mit Tamponade besteht, so das ein lebensbedrohlicher Zustand.

Eine sofortige Punktion mit Perikardiozentese (Herzbeutelpunktion) muss durchgeführt werden. Wir punktieren den Herzbeutel möglichst gefahrlos unter Ultraschallkontrolle und legen einen Schnitt am Herzbeutel an, damit der Herzbeutel für längere Zeit offen bleibt. Eine Narkose ist nicht nötig.

Video Hund mit Perikarderguss eine Minute nach Punktion

Nach der Punktion läuft der Perikarderguss eigenständig ab. Proben für die weitere Laboranalyse werden genommen. Bei Patienten mit gleichzeitigem Thoraxerguss ist diese Methode relativ erfolglos.

Video 8 Minuten später: Der Perikarderguss ist fast vollständig abgeflossen. Und das Herz ist viel größer, es hat sich wieder mit Blut gefüllt.

Während dieses Vorganges kann sich das Herz wieder mit Blut füllen. Dadurch steigt die Auswurfleistung, das Vorwärtsversagen verschwindet.

Bei rezidivierenden Ergüssen (immer wiederkehrende Ergüsse) führen wir eine offen- chirurgische Entfernung des Herzbeutels durch (Thoraxchirurgie).