DCM-DKM: Dilatative Kardiomyopathie

DKM bei einem Irish Wolfhound mit deutlichen Stauungen
PON 11 Monate mit dilatativer Kardiomyopathie. Ultraschallbild mit Vermessung der Herzkammer und Kontraktilität. Die linke Kammer ist mit 67 mm in Diastole zu groß und die Kontraktilität mit 10% stark erniedrigt
PON mit starker Dilatation von linker Haupt- und Vorkammer
Bestimmung des linksventrikulären Volumens mit der Simpson Methode bei einem Dobermann

Darunter versteht man eine Herzmuskelerkrankung, bei der es zur Vergrößerung der Herzkammern und verminderter Kontraktionskraft kommt. Mittlerweile unterscheiden wir mehrere Formen dieser Erkrankung beim Hund.

Sie ist eine erworbene Herzerkrankung, die nach der Geburt auftritt. Sie kommt häufig vor und hat verschiedene nichterbliche, nachgewiesene genetische und unbekannte Ursachen:

Ursachen der DKM:

  • Idiopathisch
  • Genetisch
  • Sehr selten: Nutritiv
  • Endokrin
  • Toxisch
  • Entzündlich

Die dilatative Kardiomyopathie DKM ist nach der neueren Klassifikation der World Health Organization (WHO) eine Erkrankung des Herzmuskels, die mit einer Dilatation (Aufweitung) und abgeschwächten Kontraktilität (Muskelfunktion) der linken oder beider Herzkammern einhergeht. Die Diagnostik der idiopathischen DKM erfordert, nach den Regeln der WHO, den diagnostischen Ausschluss anderer Herz-, Lungen- oder Systemerkrankungen, die Krankheitsbilder mit gleichem Phänotyp erzeugen (Richardson, P. et al. Circulation 93:841;1995).

Mit dem Begriff idiopathisch (lat.: in sich selbst krank) beschreibt der Arzt eine Erkrankung, deren Ursache unbekannt ist. Die Anzahl der Ursachen, die sich unter dem Deckmantel der Idiopathie verbergen wird seit Jahren durch den Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung immer kleiner. Durch den Nachweis oder den berechtigten Verdacht der autosomalen dominanten Erblichkeit der DKM beim Irish Wolfhound, Dobermann und Neufundländer sollte man die Erkrankung bei diesen Rassen nicht mehr als idiopathisch im eigentlichen Sinne, sondern als genetisch bedingte DKM bezeichnen. Beim Amerikanischen Cocker Spaniel ist eine Taurin abhängige DKM, also eine nutritive Form der DKM, beschrieben worden. Die Rolle des Taurins beim Hund ist allerdings nicht so klar, wie die bei der Katze.

Vorkommen der DKM:

Die Häufigkeit dieser Erkrankung (Prävalenz) innerhalb der gesamten Hundepopulation liegt bei 0,5 % (Datenerhebungen an der Purdue University in einem Zeitraum von 1986 – 1991) Bei einigen Rassen war die Prävalenz für die DKM wesentlich höher: (Deerhound 6,0%, Dobermann 5,8%, Irischer Wolfshund 5,6%, Dt. Dogge 3.9%, Boxer 3,4%, Neufundländer 1,3%).

Sie tritt grundsätzlich vermehrt bei Hunden großer Rassen auf. Wir sehen die DKM häufiger bei: Dobermann, Dt. Dogge, Irish Wolfhound, Deerhound, Neufundländer, Landseer, PON, Rhodesian Ridgeback, Hovawart, u.v.a.

Die Symptome einer DKM sind:

  • Leistungsschwäche
  • Husten
  • Schwäche in der Hinterhand
  • Plötzlicher Herztod

Einteilung der dilatativen Kardiomyopathie:

Die DKM kann man nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen:

Einteilung nach:

  • Pathologischen Veränderungen
    • attenuated wavy-fiber type
    • fatty-infiltrated type.
  • Rassevorkommen
    • Boxerkardiomyopathie
    • Dobermannkardiomyopathie
    • Doggenkardiomyopathie
  • Schweregrad

 

Bei den histologischen Untersuchungen der Herzmuskulatur von Hunden mit DKM sind bislang zwei verschiedene DKM Typen entdeckt worden:

Zu dem ersten Typ gehören zum Beispiel die Irish Wolfhounds und die Neufundländer. Die Herzmuskelfasern überdehnen und liegen in Wellenform, man nennt diesen Typ: „attenuated wavy fiber type“

Zur zweiten Gruppe gehört der Dobermann und manchmal der Boxer. Es kommt zu Ersatz von Herzmuskelzellen durch Fettzellen „fatty infiltrated type“. Diese Form der Erkrankung führt zu starken Herzrhythmusstörungen, die den ernsteren und schnelleren Verlauf dieser Erkrankung bei den genannten Rassen erklärt. Diese sind im eigentlichen Sinne arrhythmogene Typen, da Rhythmusstörungen schon häufig vor sichtbaren Herzkammerveränderungen vorkommen.

Vermutlich gibt es die erste Form aber auch bei Dobermann und Boxer, denn der klinische Verlauf der DKM bei diesen Rassen ist recht unterschiedlich.

Wie erkenne ich die DKM ?

Die Diagnose am lebenden Tier wird mit unterschiedlichen diagnostischen Methoden gestellt.

Klinische DKM:

Patienten mit klinischer DKM zeigen klare Symptome einer Herzerkrankung und haben deutliche Befunde.

In der Auskultation ist je nach Schweregrad ein Herzgeräusch zu hören. Durch die ständige Überdehnung wird der Herzklappenring überdehnt und es kommt zur Mitralinsuffizienz. Bei älteren Doggen, Dobermännern oder Wolfshunden, die vorher nie ein Herzgeräusch hatten, sollte, wenn plötzlich ein Herzgeräusch auftritt, an das Vorliegen einer DKM gedacht werden.

Im Röntgen ist häufig ein sehr großes Herz sichtbar mit Stauungserscheinungen in der Lunge.

Im EKG sind regelmäßig deutliche Abweichungen in der Herzachse zu sehen. Je nach Rasse kommen verschiedene Herzrhythmusstörungen vor. Vorhofflimmern und ventrikuläre Extrasystolen sind bei fortgeschrittener DKM mit Stauungen die Folge von Herzwandüberdehnung und Sauerstoffunterversorgung.

Die Methode der Wahl ist die Herzultraschall- und Doppleruntersuchung.

Diese zeigt die Kriterien der DKM nach WHO deutlich auf: Vergrößerung der Kammer und herabgesetzte Kontraktilität. Beide Parameter können mit Messprogrammen eindeutig bestimmt werden.

Video Normales Hundeherz. Links der Querschnitt durch die linke Kammer, rechts die laufende Darstellung der Herzwände, die die grüne Linie schneiden. Danach ist die exakte Vermessung des Herzmuskels zu sehen. Hier Bestimmung nach Teichholz.

Video Dt. Dogge 5 Monate mit DKM

In diesem Video ist die DKM bei einer 5 Monate alten Dt. Dogge zu sehen. Deutliche Vergrößerungen der linken Kammern. Die Muskulatur ist sehr dünn. Das Herz pumpt kaum noch.

Video 5 jährige deutsche Dogge mit DKM. Im Bild ist die Insuffizienz der Mitralklappe zu sehen. Das Blut fließt nach links in den Vorhof zurück. Das war als Herzgeräusch zu hören

Die Mitralisinsuffizienz durch das Aufweiten des Klappenringes stellt eine erhebliche Komplikation im Verlauf der klinischen DKM dar. Häufig ist sie die Ursache für Beschwerden wie Husten, Atemnot , Leistungsschwäche und Synkope.

Video PON mit Mitralisinsuffizienz. Darstellung von links. Deutlich ist der zentrale Rückfluss zu sehen.

Subklinische DKM:

Die Herausforderung ist die Diagnose der subklinischen DKM. Sie dauert, je nach Rasse, 2-5 Jahre und geht dem klinischen Stadium voraus. Die Patienten sind für den Tierbesitzer augenscheinlich gesund !

In dieser Phase zeigen die Patienten auch nur wenige Veränderungen im Ultraschall.

Manche Hunde entwickeln sehr langsam eine Zunahme der Herzgröße.

Typisch für diese subklinischen Phase sind Herzrhythmusstörungen:

  • Vorhofflimmern (VHF) und ventrikuläre Extrasystolen (VES)

Rassen bei denen diese arrhythmogene Veränderungen auftreten sind Dobermann, Boxer, Irish Wolfhound, Scottish Dearhound, Dt. Dogge, Engl. Bulldogs. Wenn bei den Rassen Rhythmusstörungen dieser Art auftreten, ist es meistens ein Hinweis auf die Entwicklung einer DKM. Aber nicht jeder Hund mit VHF oder VES entwickelt später eine klinische DKM !

Ziel der modernen Kardiologie ist die Frühdiagnostik (Präventivmedizin).

Derzeit gibt es in der Veterinärkardiologie Bestrebungen mit diagnostischen Methoden, die auch in der Humanmedizin neu sind, die ersten Anzeichen einer Herzmuskelerkrankung zu erkennen. Die in den oben gezeigten Videos zu sehenden Messmethoden sagen nicht alles über die Funktion des Herzmuskels aus. Neuartige Verfahren, die wir seit 2006 anwenden, lassen hoffen die Entwicklung der DKM des Hundes besser zu verstehen. Mit diesen Verfahren kann die lokale Herzwandfunktion in fast allen Bereichen dargestellt werden (Segmentalen). Standardwerte fehlen zu Zeit allerdings noch.

Video Bestimmung der Wandverformung (Strain, Strain-Rate) bei einem Dobermann mit okkulter DKM.

Um das subklinische Stadium der Dobermann- und Boxerkardiomyopathie, mit seinen über den Tag verteilten Arrhythmien zu erfassen, ist es nötig ein 24 Stunden EKG anzufertigen.

Der gesunde Mensch und Hund haben täglich immer einige Extrasystolen.

Bis zu 50 VES/24h gelten beim Boxer und Dobermann als unbedenklich. Bei Vorliegen von 50 (100) und mehr VES/24h, steigt das Risiko für Synkopen und den plötzlichen Herztod immens an. Insbesondere bei Vorliegen von gekoppelten ventrikulären Komplexen, wie Doubletten, Tripletten, Runs oder VT